#17 Anderswelt


Ab in die Anderswelt in diesen Zeiten

Die „Anderswelt“ ist die Welt, in der meine Mutter manchmal unterwegs ist.

Sie erzählt dann von Dingen und Personen, die ich nicht richtig verstehe und die ich auch nicht leicht kennenlernen kann. Ich kenne den Zugang zu dieser Welt nicht, und vieles dort scheint ganz anders zu sein als in meiner eigenen.

In der Anderswelt gibt es keine Wochentage und kaum feste Uhrzeiten. Es gibt keinen kurzen Rückblick auf das eben Erlebte, sondern nur einen langen Rückblick. Früher war meine Mutter nie dort, in letzter Zeit jedoch reist sie häufig in diese Welt.

Ich bin froh, dass meine Mutter auch in meiner Welt noch gerne unterwegs ist. Wir verbringen Zeit miteinander, essen zusammen, gehen spazieren, spielen und waren gemeinsam im Urlaub. Trotzdem hat sie sich auch dort manchmal zurückgezogen, obwohl es sehr schön war.

Die Anderswelt entsteht irgendwo in meiner Mutter und kann nur von dort aus betreten werden. Ich habe versucht, selbst dorthin zu gelangen, doch dafür müsste ich Voraussetzungen erfüllen, die mir nicht einfach zugänglich sind.

Um mitzureisen, müsste ich meine eigene Welt ausblenden und mich auf neue geistige und physikalische Zusammenhänge einlassen.

Vieles scheint in der Anderswelt noch chaotischer als in meiner Welt. Straßen und Wege verändern sich ständig, Häuser wechseln ihr Aussehen, freie Flächen werden plötzlich zu Einkaufszentren. Vertraute Dinge verschieben sich, und Bekanntes fühlt sich zugleich fremd und doch gewohnt an.

Es ist einfach anders in der Anderswelt. Und doch hat meine Mutter dort offenbar vieles wiedergefunden, was sie in meiner Welt vermisst: Dinge, die normal sind, die man immer so gemacht hat und die einfach sind – nicht kompliziert.


Ich freue mich auf das nächste Türchen mit Euch – Türchen Nr. 18 – 
Bis morgen, Eure Wildgruberin

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